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Vererben des Finanzgewerbes

„Wie übertrage ich mein Gewerbe und insbesondere den Kundenbestand?“

 

Viele Vermittler suchen Nachfolger, nur ca. 30% schaffen den Sprung von der zweiten in die dritte Generation und ca. 20% müssen ohne Nachfolger schließen. Aber auch ungeplante Übergänge finden häufig statt. So muss jeder dritte Finanzvertrieb „plötzlich“ und „unvorbereitet“ wegen Tod, Berufsunfähigkeit oder Krankheit übergeben werden. Nicht ganz unschuldig sind auch diverse gesetzliche „Neuerungen“ (wie LVRG und VVG etc.), die einem Vermittler meist den Spaß und oft die Möglichkeiten nehmen, weiter zu arbeiten.

Das Problem der Unternehmensnachfolge ist bekannt. Dennoch haben kaum Vermittler für diesen Fall Vorsorge getroffen.

 

Vorsorge statt Nachsorge für „ungeplante“ Übergaben

 

Auch wenn ein Vermittler aktuell noch keinen Unternehmenserwerb oder eine Unternehmensübergabe planen, sollte er sich ein paar Gedanken dazu gemacht haben, damit der Übernehmende (Nachkomme oder „Erwerber“) es einmal nicht so schwer hat. Zu dieser Vorsorgearbeit gehört - wie bei jeder Unternehmensnachfolge - eine rechtliche und eine organisatorische Vorsorge.

 

Rechtlich sollte sich jeder Vermittler damit befassen, dass Tod, Krankheit oder Unfall auch eine spontane Unternehmensnachfolge erforderlich machen können. Hierfür helfen Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Sorgerechtsverfügung und ggf. Testament.

 

Organisatorisch macht es Sinn, für einen Übernehmenden eine Art „Handlungsanweisung“ vorzubereiten, die es einem Übernehmenden leichter machen, einen Betrieb plötzlich zu übernehmen. Hierzu zählen die Kontaktdaten „verlässlicher“ Personen, denen der Übernehmende vertrauen kann, wie „loyale“ Kollegen, aber auch der „vertraute Steuerberater“, der „fachlich kundige Anwalt“ und sonstige helfende Personen. Daneben macht eine Liste mit Passwörtern oder Logindaten für bestimmte Bereiche (Intranet Versicherung bzw. Pool etc.) Sinn („digitales Erbe“).

 

Wichtig bei geplanter Übergabe: Vertrauen

 

Entscheidend für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge kann ein gutes Kennen und Vertrauen zwischen der Person des Übergebenden und des Übernehmenden sein, sonst kann es leicht passieren, dass der Übernehmende die Kunden verbrennt, z.B. durch Verkaufen von „riskanten“ bzw. falschen Produkten oder in sonstiger Weise den Namen des Übergebenden verunglimpft.

 

Rechtliche Inhalte eines Bestandskaufvertrages

 

In einem Kaufvertrag sollte geregelt werden, was überhaupt verkauft wird: „die Kunden“ kann man nicht verkaufen. Die „Provisionen“ bzw. „Provisionsansprüche“ darf man auch nicht verkaufen, jedenfalls nicht so einfach, denn da spricht der Datenschutz dagegen, der verhindert, dass personenbezogene Kundendaten an Dritte gehen. Was also wird verkauft? Daneben sind unbedingt zu regeln:

 

  • Haftung des alten und neuen Bestandsinhabers für Fehler des jeweils anderen
  • Namensrechte, d.h. darf der alte Name geändert werden oder nicht?
  • Mitspracherechte des alten und neuen Bestandsinhabers, denn beide haben auch schon in der Übergangsphase bestimmte Interessen
  • Ab wann genau sollen die Bestände übertragen werden und damit auch die Stornohaftung?
  • Ab wann genau sollen Steuerschulden oder -erstattungen wem zustehen?

 

Macht die Gründung einer GmbH oder UG Sinn?

 

Manche Vermittler schreiben einfach ihre Kunden an und teilen die Übertragung an den Erwerber und Produktgeber mit. Das reicht nicht! Auch die Möglichkeit des Widersprechens reicht einigen Gerichten nicht! Die Rechtsprechung ist nicht immer einheitlich, tendiert aber auf Grund wachsender Bedeutung des Datenschutzes dazu, dass ein Kaufvertrag, bei dessen Abschluss die Kunden nicht zugestimmt haben, sogar insgesamt nichtig sein kann und das selbst dann, wenn die überwiegende Kundenzahl sogar zugestimmt hatte! Rechtsfolge ist dann eine Rückabwicklung, so dass der Veräußerer den Kaufpreis zurück erstatten muss, aber der Erwerber ja bereits die kompletten Bestandsdaten erhalten und vielleicht sogar schon Bestände an sich übertragen und Provisionen auch für Neugeschäft vereinnahmt hatte. Wie wird das - wenn überhaupt - rückabgewickelt? Der Weg des einfachen Anschreibens der Kunden ist ein einfacher und kostengünstiger Weg, aber auch der, der die meisten Problem machen kann.

 

Um diese Unsicherheiten zu vermeiden, kann es vorteilhaft sein, seinen gesamten zu veräußernden Kundenbestand und Finanzbetrieb zuerst selber von einem Einzelunternehmen in eine juristische Person mit dem selben Inhaber bzw. Gesellschafter zu überführen, z.B. in eine GmbH oder eine UG. Und erst wenn das geschehen ist, wird diese dann komplett verkauft. Hier gibt es weniger Probleme mit dem Datenschutz, aber diese Lösung ist für den Veräußerer aufwändiger und ist von vielen Anwalts- und Steuerkanzleien nur teuer zu haben.

 

Übertragung durch Testament

 

Viele Vermittler haben kein Testament gemacht und sind sich nicht bewusst, dass in diesem Fall oft Erbengemeinschaften entstehen (z.B. Ehefrau und Kinder), die dann immer einstimmig entscheiden müssen, was wann wie mit dem Betrieb geschieht. Hoffentlich sind sich dann alle einig...

 
Ein anderer gängiger Fehler ist es, in einem Testament einen Erben festzulegen, der keine Gewerbeerlaubnis hat. Zwar hatte der Testierende wahrscheinlich selber „seinen § 34 c, d, f GewO“ auf die Gesellschaft übertragen, aber mit dem Tode des Gewerbetreibenden bekommen die Erben bei einem Einzelunternehmen selber keinen neuen Gewerbeschein mehr. Dazu kommt, dass bei Tod des selbstständigen Gewerbetreibenden die meisten Courtagevereinbarungen automatisch enden, so dass die Erben dann meist weder laufende Bestandsprovisionen mehr erhalten noch die Kundenbestände dann veräußern können, weil nach vielen Pool- und Vertriebsvereinbarungen die Bestände mit Tod des Vermittlers an den Pool oder Vertrieb übergehen.

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